+++   "Kinder, wie die Zeit vergeht!"  +++     
Teilen auf Facebook   Teilen auf Twitter   Teilen auf Google+   Als Favorit hinzufügen   Link verschicken   Drucken
 

HOGLI - „Unterm Strich“ - Karikaturen, Illustrationen, Comics

13.04.2015

PRESSEMITTEILUNG CARTOONMUSEUM BRANDENBURG

Neue Sonderschau im Zeitraum 3. Mai – 26. Juli 2015

 

Ab Mai präsentiert das Cartoonmuseum in Luckau die Berliner Zeichnerin und Cartoonlobbyistin HOGLI mit einer Ausstellung zu ihrem Lebenswerk. „Unterm Strich“ heißt die Zusammenstellung von Karikaturen, Illustrationen und Comics aus Anlass ihres 70. Geburtstages, den HOGLI unlängst feiern konnte.

 

Das Museum ehrt damit die Cartoonistin, die u.a. durch ihre legendären Erziehungs- und Beziehungs-Strips „Weibsbilder“ bekannt geworden ist, die auch im „STERN“ erschienen sind. Darüber hinaus arbeitet HOGLI als politische Karikaturistin, vor allem für Gewerkschaftszeitungen und linke Publikationen.

 

Parallel dazu wurde sie unter ihrem bürgerlichen Namen Amelie Glienke zu einer beliebten Kinderbuchillustratorin. Etwa 140 Buchtitel sind es inzwischen geworden, für die sie die Zeichnungen und Titel angefertigt hat. Am bekanntesten darunter sind die Illustrationen zu den inzwischen 22 Bänden des Bestsellers der „Kleine Vampir“.

Die rund 160 Originalarbeiten und Objekte in der Ausstellung zeigen die Zeichnerin von ihren unterschiedlichsten kreativen Seiten und geben einen kleinen Überblick zu ihrem künstlerischen Werdegang.

 

Am 2. Mai um 14 Uhr ist die Vernissage in Anwesenheit der Künstlerin, zu der Gäste bei freiem Eintritt gern gesehen sind.


 

Gezeigt wird die Ausstellung vom 3. Mai – 26. Juli 2015. Geöffnet ist das Cartoonmuseum am Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag jeweils von 13-17 Uhr. Es befindet sich in der Nonnengasse 3 hinter der Kulturkirche in 15926 Luckau. Der Eintritt beträgt 2, ermäßigt 1€ und für Kinder bis 12 Jahre ist dieser frei.

 


 

Selbstbiografie von Amelie Glienke (HOGLI)

 

Ich wurde im Februar 1945 in Berlin geboren, im Endkampf zwischen Bombenalarm und brennenden Ruinen. Der Vater in Gefangenschaft, die Mutter im Luftschutzkeller.

Bald nach dem Krieg zogen meine Eltern mit mir in einen kleinen Ort zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald nahe Osnabrück.

 

Als Kind kritzelte ich mangels Papier gern Bücher – und Zeitungsränder voll, auch Schulhefte wurden zweckentfremdet. Später malte ich Stillleben, suchte gerne die Fehler bei „Kunst und Fälschung“ in der „Hör zu“, studierte Donald Duck und Wilhelm Busch und kopierte Modezeichnungen. Deshalb sollte ich (Berufsberatung!) Schaufensterdekorateurin werden. Zum Glück war keine Lehrstelle frei.

 

Ich wollte nach Berlin. Ich besuchte dort eine Handelsschule, lernte Steno und Schreibmaschine, mit der Idee, damit irgendwie ein Studium selbst finanzieren zu können. Aber das dauerte. Zuerst arbeitete ich in der Dramaturgie der CCC-Film, dann in verschiedenen Firmen, zuletzt bei Rechtsanwälten. 1968 bereitete ich mich dann sehr intensiv auf die Bewerbung für die Hochschule der Künste vor. Und 1969 begann ich dort mein Studium, zuerst Malerei. Aber dann schwappte die Außerparlamentarische Bewegung und die Studentenunruhen voll in die Hochschule. Kunst galt plötzlich als scheißbürgerlich, es sei denn, sie stellt sich in den Dienst der politischen Aufklärung. Ich wechselte in den Fachbereich „Visuelle Kommunikation“. Wir lasen Marx, Benjamin, Brecht.

Mit Plakaten, Karikaturen und Fotomontage wollten wir versuchen, künstlerisch in gesellschaftliche Prozesse einzugreifen. Es bildeten sich Projektgruppen, eine hieß zum Beispiel „Frau im Produktionsprozess“. Eine andere erarbeitete eine Vietnam-Ausstellung in der Eingangshalle der HdK (heute UdK). Und dann gab es eine Kinderbuchgruppe. Damals schrieb und bebilderte ich mein erstes Kinderbuch. Wir verschickten unsere Ergebnisse an verschiedene Verlage.

 

Während der großen Mieterdemonstrationen Anfang der siebziger Jahre im Märkischen Viertel und Kreuzberg entstanden meine ersten Karikaturen, die, auf große Transparente gemalt, von den Demonstranten mitgetragen wurden. An Karikatur als Berufperspektive dachte ich da noch nicht. Ich war zu sehr mit Theorie und Semiotik beschäftigt.

 

7 Tage nach der Meisterschülerprüfung wurde meine Tochter geboren und ich bekam auch bald den ersten Illustrationsauftrag von Rowohlt: „Geschichten ab 3“, Katzengeschichten in 5 Bänden, die sehr erfolgreich wurden. Und vom Beltz-Verlag erhielt ich den Auftrag, Karikaturen für das „Sozial-Magazin“ zu zeichnen. So ging es also los. Zuvor arbeitete ich im „Kreuzberger Produktions-Kollektiv“, das ging hervor aus einer Gruppe von HdK-lern, die auch schon politisch und hochschulpolitisch gearbeitet hatte. Wir produzierten in einem dritten Hinterhof Agit-Prop.

Die Druckerei, die unsere Plakate druckte, hieß Agit-Druck. Und die Poster-shops verkauften die Ergebnisse als Agit-Pop.

 

Meine 2. Tochter kam zur Welt. Ich gründete eine Familie und einen nichtautoritären Kinderladen. Nun zeichnete ich die komischen und unfreiwillig komischen Vater-Mutter-Kind-Gruppen-Probleme für pädagogische Zeitschriften, besonders für „betrifft : Erziehung“. Erst also die Erziehungs- dann kamen die Beziehungs-Strips. Der Stern druckte sie längere Zeit als Comic-Serie unter den Titel „Weibsbilder“.

 

Neben meiner Arbeit als politische Karikaturistin, vor allem für Gewerkschaftszeitungen und linke Publikationen, lief parallel immer meine Arbeit als Kinderbuchillustratorin. Ca. 140 Bücher sind es inzwischen geworden, darunter allein 22 Bände vom „Kleinen Vampir“.

 

Und als ich neulich gefragt wurde „Was ist ein Karikaturist?“, konnte ich nur antworten: „Manchmal eine Karikaturistin!“


 


 


 

 

Foto: Plakat zur Ausstellung - Karikatur von HOGLI