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Cartoonmuseum in Luckau zeigt Eulenspiegel- Klassiker Heinz Behling

25.02.2015

Pressemitteilung des Museums zur Ausstellung
 

Die Saison im Cartoonmuseum Brandenburg beginnt am 1. März mit einer neuen Sonderausstellung. Die Ausstellung „Blätter, die die Welt bedeuteln ...“ zum Leben und Werk des Zeichners Heinz Behling (1920 – 2003) präsentiert einen echten Klassiker der ostdeutschen Karikatur. Kein anderer Zeichner hat das Gesicht der DDR- Karikatur und der Satirezeitschrift »Eulenspiegel« so geprägt, wie Heinz Behling.

 

Nach den Feierlichkeiten zum Mauerfall und im Jubiläumsjahr der deutschen Wiedervereinigung liefert die Karikaturenschau eine unterhaltsame und kritische Chronik der Geschichte der ehemaligen DDR.

 

Heinz Behling war ein Satiriker mit klarem Standpunkt, der stets die Wirklichkeit im Blick hatte. Die dialektische Herangehensweise half Widersprüche aufzudecken und verquere Denkweisen bloßzustellen. Seine Karikaturen sind wichtige Dokumente des DDR- Alltags. Von Anfang an begleiteten seine Blätter parteilich aber auch kritisch den Aufbau des Arbeiter- und Bauernstaates bis hin zu seinem Scheitern.

 

Zuerst dokumentierte er besonders den Prozess der Kollektivierung in Landwirtschaft und die Umgestaltung auf dem Lande. Später standen im Mittelpunkt seiner Karikaturen, wie im gesamten damaligen gesellschaftlichen Leben: die Arbeit, die gesellschaftlichen Kampagnen und die Formung des sozialistischen Menschen nach den Vorstellungen der SED- Regierung.

 

Beharrlich prangerte er die entwicklungshemmenden Auswüchse und das Fehlverhalten der Menschen an. Dazu gehörten Misswirtschaft, Mangelerscheinungen, Materialverschwendung, Verantwortungslosigkeit, Pfusch in der Produktion, Führungsstil in den Betrieben, wachsende Bürokratie, Diebstahl von Volkseigentum, mangelnde Gaststättenkultur, unzureichende Bedarfsforschung, vernachlässigte Werterhaltung, Fehlplanungen in Wirtschaft und Versorgung, unzureichende Dienstleistungen, Kuriositäten der Konsumgüterproduktion, gedankenloser Umgang mit Ressourcen und Umwelt, statistische Lügen und ausuferndes Berichtswesen, Planerfüllung auf dem Papier und vieles mehr.

Als waschechter Berliner schaute Behling dem Volk aufs Maul. Seine Bildunterschriften und die Zeichnungen bilden eine untrennbare Einheit. Sie spiegeln ein Stück Geschichte und Zeitgeist wider und die detailgetreuen Abbilder der Wirklichkeit lassen die Vergangenheit in der DDR Revue passieren. Ein amüsanter Rückblick, der Erinnerungslücken schließt und zugleich anschauliches Material liefert, wenn man erklären oder verstehen möchte, wie es war - damals in der DDR.

 

Das Lebenswerk von Heinz Behling ist seit nunmehr zwei Jahren im Besitz der „Sammlung_Museum für Humor und Satire“ der Cartoonlobby. Die Sonderausstellung in deren Cartoonmuseum in Luckau präsentiert mit etwa 120 Originalzeichnungen einen Querschnitt, durch das umfangreiche Schaffen des bekannten Zeichners über den Zeitraum von 1950 bis 1995.

 

Die öffentliche Vernissage mit Gesprächsrunde zur Ausstellung findet am Sonntag, dem 1. März um 11 Uhr statt. Unter dem Motto „Begegnungen mit Heinz Behling“ werden Leben und Werk des Künstlers vorgestellt. Zeichnerkollegen, Freunde, Verwandte erinnern sich und bringen uns einem Klassiker der ostdeutschen Karikatur näher. Gäste sind gern gesehen und der Eintritt zur Eröffnung ist frei.

Die Ausstellung wird noch bis zum 26. April 2015 gezeigt. Geöffnet ist am Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag jeweils von 13-17 Uhr. Das Museum befindet sich in der Nonnengasse 3 hinter der Kulturkirche in 15926 Luckau. Der Eintritt beträgt 2, ermäßigt 1€ und für Kinder bis 12 Jahre ist dieser frei.

 


Biografie

(Autor Andreas Nicolai, EULENSPIEGEL- Klassiker der ostdeutschen Karikatur, Katalog Wilhelm-Busch-Museum Hannover, 2008) zur freien Verwendung:

 

Heinz Behling

9.10.1920 – 5.6.2003

 

Kein anderer Zeichner hat das Gesicht der DDR- Karikatur und des »Eulenspiegel« so geprägt, wie Heinz Behling. Er ist ein Satiriker mit klarem Standpunkt, der stets die Wirklichkeit im Blick hat.

Als waschechter Berliner schaut er dem Volk aufs Maul. Behlings Humor ist unmissverständlich und wirkungsvoll. Bildunterschrift und Zeichnung bilden eine untrennbare Einheit. Streitbar und beharrlich setzt er sich für die Dinge ein, die ihm wichtig erscheinen. Das bringt ihm nicht nur die Wertschätzung der Kollegen ein, sondern auch die des Publikums. Seine dialektische Herangehensweise hilft Widersprüche aufzudecken und verquere Denkweisen bloßzustellen. Seine Karikaturen sind wichtige Dokumente des DDR- Alltags.

 

 

Heinz Behling wird 1920 als einziges Kind in einer Berliner Arbeiterfamilie geboren. Nach Abschluss der Volksschule arbeitet er 1934 als Kinoreklamemaler und lernt bei T.A. Rosié, der für Filmkomödien mit Karikaturen warb. Die ersten Behling- Karikaturen entstehen für illegale Zeitschriften.

 

Mit 19 Jahren wird er eingezogen. Nach Weihnachten 1944 desertiert er in Richtung Osten, gerät in sowjetische Gefangenschaft und besucht eine Antifa-Schule im Lager. 1948 wird er nach Berlin entlassen und verbringt ein halbes Probejahr als Kulturfunktionär in der Landesleitung der SED. Anschließend arbeitet er im Stahlwerk Hennigsdorf, steht acht Stunden täglich an der Walze und malt nach Feierabend. 

Nach einem Arbeitsunfall zeichnet er ein Jahr lang für die Betriebszeitung »Arbeit und Aufbau«. Befreundete Künstler empfehlen Heinz Behling mit seinen Arbeiten an die Kunsthochschule Berlin- Weißensee.

Die Bekanntschaft mit Ernst Jazdzewski, der zu dieser Zeit Aktstudium lehrt, bringt Behling auf die Idee ein Pressezeichner-Seminar mit diesem zu initiieren. Er beendet das Studium mit einer Diplomarbeit, in der er sich mit Problemen der Karikatur in der DDR auseinandersetzt und der so genannten „positiven Satire“ seine klare Absage erteilt. In Absprache mit der Hochschule und der Zeitschrift »Frischer Wind« hat der praktische Teil der Arbeit das Thema „Bilder vom Lande“. Als Mitarbeiter der Studentenzeitschrift »Forum« macht Heinz Behling erste Erfahrungen, wie unliebsame Karikaturen die Funktionäre veranlassen, eine Auflage „einzustampfen“, ein Vorgang der sich im Zusammenhang mit Behlings Arbeiten auch später beim »Eulenspiegel« wiederholt.

 

Mitte des Jahres 1953 beginnt seine Tätigkeit als Zeichner beim »Frischen Wind«. Er ist maßgeblich am Übergang dieser Zeitschrift in den »Eulenspiegel« und an der Gründung des gleichnamigen Verlages beteiligt. Die Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsredakteur Ulrich Speitel führt ihn aufs Dorf. Behling will selbst erleben, worüber er zeichnet, möchte teilhaben und mit verändern. Ab 1956 lebt er in verschiedenen Orten im Umland von Berlin. Er erfindet die Typen „Pietsch und Knolle“, deren Dialoge die Entwicklung auf dem Lande kommentieren.

 

Behling ist mit Leib und Seele Pressezeichner. Eine Arbeit sieht er dann vollendet, wenn sie massenhaft ein Publikum erreicht. Im September 1963 kommt es zu einem Zerwürfnis mit der Redaktion des »Eulenspiegel«, als diese direkt in die künstlerische Gestaltung eines Titelblattes eingreift. Behling protestiert vergeblich, zieht die Konsequenz und stellt die Arbeit für die Zeitschrift längere Zeit ein. Inzwischen fertigt er vorwiegend Fotomontagen u.a. für die »Freie Welt«.

 

Von 1957–1960 entstehen zehn Kinderbücher von Heinz Behling nach seinen Ideen und Vorschlägen. Unter ihnen Klassiker mit denen Generationen aufgewachsen sind. „Alarm im Kasperletheater“ ist der bekannteste davon. Ebenso der gleichnamige Trickfilm.

16 Jahre bleibt Heinz Behling mit seiner Familie auf dem Lande.

 

Die zweite wichtige Phase in seinem Schaffen beginnt mit seiner Rückkehr 1972 nach Berlin und dem engeren Kontakt zur »Eulenspiegel«- Redaktion. In dieser Zeit entstehen die wichtigsten Titelblätter und unter der Rubrik „Stippvisite“ Karikaturen zu Reportagen.

 

Behling nimmt den DDR- immanenten Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufs Korn.  Er verwendet viel Zeit auf die Formulierung seiner Bildunterschriften. Sie gehören zu den Bildideen und deren Umsetzung. Er will verstanden werden, weiß aber gleichzeitig mit hintergründigem Humor seine Botschaften zu vermitteln.

Mitte der 80er Jahre erhält Behling ein Stipendium des Magistrates der Stadt Berlin. Es entsteht der Zyklus „Jugend“, mit der Arbeit „Bildnis eines Dialektikers“. Obwohl offiziell preisgekrönt, darf dieses Blatt nicht gedruckt werden, der Zeichner wird mit einem einjährigen Presseboykott bestraft. Entsprechend seiner Lebensmaxime: „Zähne zusammenbeißen und lachen“ lässt sich Behling dadurch kaum beeindrucken.

 

Er verleiht weiter den „Eddi“, ein Gegenstück zu den offiziellen Ordensverleihungen, erhält selbst den Goethe- Preis (3. Klasse) der Stadt Berlin und den Karl- Schrader- Preis beim „Satiricum '86“ in Greiz.

 

Heinz Behling ist 70 Jahre alt zum Zeitpunkt des Betritts der DDR zur Bundesrepublik. 1994 erscheint seine letzte Zeichnung im »Eulenspiegel«. Bis zu seinem Tode gestaltet er noch Flugblätter, Programmhefte und fertigt Illustrationen für eine theoretische Marxismus- Zeitschrift. Er bleibt sich und seinen Prinzipien treu.


 


Angaben im Überblick:

Ausstellungstitel: „Blätter, die die Welt bedeuteln ...“

Heinz Behling – Klassiker der ostdeutschen Karikatur

Dauer: 01.03.2015 – 26.04.2015

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag 13-17 Uhr

Feiertage geöffnet nur wenn sie auf Di, Do, Sa oder So fallen.

Eintritt: 2 € / ermäßigt 1 €, Kinder unter 12 Jahren frei
Schulklassen ... bitte auf Voranmeldung zu Projekttagen

Adresse: Cartoonmuseum Brandenburg

"Sammlung_Museum für Humor und Satire" der Cartoonlobby
Nonnengasse 3 (Autozufahrt über die Nordpromenade)
15926 Luckau

Webseite: www.cartoonmuseum-brandenburg.de


Kontakt ... Presse, Bildmaterial, Vermittlung von Interview-Anfragen und mehr:

 

Geschäftsstelle: Cartoonlobby e.V. - Nonnengasse 3 – 15926 Luckau

Geschäftsführer und Leiter der Sammlung: Andreas Nicolai

Tel: 03544 / 50 770 42 - Mobil: 0174 94 93 860 - Mail: nicolai@cartoonlobby.de


 


 

 

 

 

Foto: Plakat zur Ausstellung - Motiv von Heinz Behling