+++   "Kinder, wie die Zeit vergeht!"  +++     
Teilen auf Facebook   Teilen auf Twitter   Teilen auf Google+   Als Favorit hinzufügen   Link verschicken   Drucken
 

"museumsreif" (2) _Neue Schätze in der Sammlung des Museums

01.12.2012

Die "Sammlung_Museum für Humor und Satire" in Luckau der Cartoonlobby begibt sich in die wohlverdiente Winter-Wochenend-Pause.


Aber zuvor gibt es am Sonntag, den 2. Dezember von 11-17 Uhr, noch einen Besucher- und Pressetag im "cartoonmuseum" zu der neuen Sonderausstellung "museumsreif (2)" und mit einer Vorstellung des Programms für das Jahr 2013. Gezeigt werden bis Ende Februar Neuzugänge die sich nun im Besitz der Sammlung befinden. Auf diese ist man besonders stolz und sie werden Gegenstand weiterer Forschungsarbeit und Ausstellungstätigkeit sein.

An den Dienstagen von 11-18 Uhr und Donnerstagen von 11-16 Uhr können auch in der Nachsaison interessierte Besucher des Museums erfahren, wie die Sammlung eines zukünftigen großen Hauses - dem "Museum für Humor und Satire" in der Region Berlin/Brandenburg - wächst, welche neuen grafischen Schätze hinzugekommen sind und welche Richtung die Entwicklung der Einrichtung nehmen wird. Im Mittelpunkt stehen die Nachlässe des Lebenswerkes bekannter Zeichner wie Heinz Behling und Hans Maria Lindloff, ein großes Konvolut mit Zeichnungen von Karl Koppe, seltene Kunst-Cartoons von Paul Michaelis, weitere Vorlässe des Grafikers, Cartoonisten und visuellen Poeten Ottfried Zielke, erhaltene Neuzugänge für die "Humor und Satire - Bibliothek" u.v.m.

 

Die Nachsaison-Wochen bieten eine gute Gelegenheit mit den Machern des Museums ins Gespräch zu kommen, über zukünftige Projekte zu fachsimpeln und neue Partnerschaften zu knüpfen.

 

Kein anderer Zeichner hat das Gesicht der DDR- Karikatur und der Satire-Zeitschrift "Eulenspiegel" so geprägt, wie Heinz Behling. Er war ein Satiriker mit klarem Standpunkt, der stets die Wirklichkeit im Blick hatte. Als waschechter Berliner (geb. 1920) schaute er dem Volk aufs Maul. Behlings Humor ist unmissverständlich und wirkungsvoll. Bildunterschrift und Zeichnung bilden eine untrennbare Einheit. Streitbar und beharrlich setzte er sich für die Dinge ein, die ihm wichtig erschienen. Das brachte ihm nicht nur die Wertschätzung der Kollegen ein, sondern auch die des Publikums.

 

Seine dialektische Herangehensweise hilft Widersprüche aufzudecken und verquere Denkweisen bloßzustellen. Seine Karikaturen sind wichtige Dokumente des DDR- Alltags. Heinz Behling starb 2003 in Berlin. Sein Lebenswerk kam dieses Jahr als Dauerleihgabe in den Besitz der "Sammlung_Museum für Humor und Satire". Es ist bereits gut dokumentiert und steht für weitere Ausstellungen und Projekte zur Verfügung. Gezeigt werden einige "Klassiker" aus dem umfangreichen Schaffen des Zeichners. Hinzu kommen Skizzen und Illustrationen zu Kinderbüchern.

 

Der über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Karikaturist, Maler und Grafiker Hans Maria Lindloff wurde 1878 in Berlin geboren. Vor allem ist er als Karikaturist mit seinen politischen Zeichnungen und besonders mit seinen Porträts bekannt geworden. 25 Jahre lang war er Mitarbeiter und Redaktionsmitglied des "Kladderadatsch" und der Zeitschrift "Die Musik", wo seine herrlich, gekonnten Musiker-Karikaturen erschienen.

 

Porträtkarikaturen wurden auch in der Satire-Zeitschrift "Ulk" abgedruckt. Bis zuletzt hatte Lindloff an bekannten in- und ausländischen Zeitschriften mitgearbeitet. Daneben galt seine besondere Vorliebe der Malerei. Zu seinem 80. Geburtstag veranstaltete die "Große Berliner Kunstausstellung" eine Sonderschau mit seinen Bildern. 1960 verstarb Lindloff in Berlin. Gezeigt werden in der Ausstellung: Studien, Skizzen, Illustrationen, Karikaturen und Gemälde. Die Beschäftigung mit seinem Lebenswerk und die Auseinandersetzung mit der politisch-satirischen Wochenzeitschrift "Kladderadatsch" sind zukünftige Forschungsthemen auch über das Museum hinaus.

 

Der 1938 in Jena geborene und ausgebildete Gebrauchswerber Karl Koppe begann Anfang der 1970er Jahre mit Tusche und Feder Karikaturen zu zeichnen. Diese waren voll feiner Ironie über die Schwächen von Menschen, ohne ihnen ernstlich weh zu tun. Die von ihm gezeichneten Menschen behalten, obwohl es eigentlich meist um ihre schwachen Seiten geht, stets etwas sehr Liebenswertes. Die erste Veröffentlichung in der Satirezeitschrift Eulenspiegel gab es 1974 und sein besonderes Markenzeichen waren die aus Punkten geformten Zeichnungen. In der Ausstellung sind darüber hinaus farbige Arbeiten, Illustrationen und erotische Blätter zu sehen. Lebensstationen waren u.a. Senftenberg, Dresden, Frankfurt/Oder und letztlich Berlin, wo Karl Koppe 2006 verstarb.

 

Einen weiteren Schwerpunkt in der Ausstellung bildet Paul Michaelis mit Arbeiten aus dem Zyklus "Cartoon-Kunst * Kunst-Cartoon". In seinem Alterswerk wendet sich der 1914 im thüringischen Weimar geborene Maler, Zeichner und langjährige Dozent, Rektor und Professor an der Hochschule für Bildende Künste Dresden - Paul Michaelis - erstmalig dem Genre Cartoon zu. Ab dem Jahr 1994 entstanden Arbeiten, welche die Kunst zum Gegenstand, mehr noch die Kunstkritik und äußerliche Einflüsse auf dem Kunstmarkt zum Thema haben. Sie verraten Scharfsinn, Witz und malerische Meisterschaft. Darüber hinaus sind die Cartoons bekennend subjektiv, mit Zitaten gespickt und reich an künstlerischen Informationen. Die Blätter, welche dankenswerter Weise der "Sammlung_Museum für Humor und Satire" überlassen wurden sind voller vergnüglicher Anregungen und Spott für die oft unselige Verquickung von Geldwert und Kunstwert.

 

Im vergangenen Jahr konnte der Cartoonlobbyist und Wahlbrandenburger Ottfried Zielke seinen 75. Geburtstag feiern. Anfang diesen Jahres widmete ihm das Museum eine Sonderausstellung. Zielke zählte zur Literaten- und Künstlerszene Ostberlins, die in den letzten Jahren der ehemaligen DDR, ihre ganz eigenen Wege und Ausdrucksformen jenseits des verordneten und reglementierten Kulturbetriebes fanden.

 

Mail-Art, Künstlerbücher und Visuelle Poesie sind vor allem die alternativen Betätigungsfelder, auf denen Ottfried Zielke sich damals ausprobiert. Mit der politischen Wende 1989 wurde es auch für ihn interessant, sich mit satirischen Blättern an der gesellschaftlichen Diskussion zu beteiligen und diese auch in Zeitschriften wie dem "Eulenspiegel" zu veröffentlichen. Er beteiligte sich an unzähligen Ausstellungen, Katalogen im In- und Ausland, arbeitet für unterschiedliche Editionen und Verlage. Im Selbstauftrag entstehen darüber hinaus bis heute Unikatbücher. Diese und Werke von Ottfried Zielke befinden sich in über 30 bedeutenden Sammlungen auf der ganzen Welt. Einen Großteil seiner seither geschaffenen Cartoons überließ er dankenswerter Weise dem "Museum für Humor und Satire" und es werden noch einmal Arbeiten gezeigt die hinzukamen bzw. noch nicht gezeigt werden konnten.

Desweiteren gibt es erste Arbeiten von Gustav Brandt, Fritz Koch-Gotha, Arthur Johnson, Oskar Garvens, Willi Steinert aus den 1920er Jahren, neue Schenkungen von Joseph W. Huber sowie Arbeiten von Zeichnerkollegen, die sie Heinz Behling zum Geschenk machten.

 

... mehr Bilder
 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: "museumsreif" (2) _Neue Schätze in der Sammlung des Museums

Fotoserien zu der Meldung


museumsreif II - Ansichten der Ausstellung (01.12.2012)